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Grundlagen

Stundensatz berechnen: So findest du deinen fairen Preis als Freelancer

Ein Stundensatz ist keine Willkür, sondern Mathematik. In diesem Guide zeigen wir dir, wie du deinen Preis kalkulierst, von dem du nicht nur überlebst, sondern gut lebst.

Daniel Krause · ·9 Min Lesezeit

„Was kostet eine Stunde bei Ihnen?" - Diese Frage löst bei vielen Freelancern (besonders am Anfang) Herzklopfen aus. Wer zu hoch ansetzt, fürchtet den Auftragsverlust; wer zu niedrig ansetzt, arbeitet sich ins Burnout oder in die Altersarmut.

Ein Stundensatz ist keine Willkür, sondern Mathematik. In diesem Guide zeigen wir dir, wie du deinen Preis kalkulierst, von dem du nicht nur überlebst, sondern wirklich gut lebst.

1. Die häufigste Falle: Der Angestellten-Denkfehler

Viele Einsteiger nehmen ihr altes Bruttogehalt, teilen es durch 160 Stunden und schlagen 20 % drauf. Das ist ein fataler Fehler.

Als Freelancer bist du dein eigener Arbeitgeber und trägst alle Risiken und Kosten allein:

Was Angestellte habenWas Freelancer selbst zahlen
Arbeitgeberanteil Sozialversicherung❌ Komplett selbst
Bezahlter Urlaub (30 Tage)❌ Kein Einkommen
Lohnfortzahlung bei Krankheit❌ Kein Einkommen
Bezahlte Weiterbildung❌ Selbst finanziert
Firmenlaptop, Software, Büro❌ Selbst anschaffen

2. Die Kalkulations-Formel: Schritt für Schritt

Um deinen Stundensatz zu finden, müssen wir rückwärts rechnen.

Schritt A: Deine privaten Lebenshaltungskosten

Was brauchst du monatlich zum Leben? (Miete, Lebensmittel, Versicherungen, Freizeit)

Beispiel: 2.500 €

Schritt B: Deine geschäftlichen Fixkosten

Miete für das Büro, Software-Abos, Marketing, Steuerberater, Hardware.

Beispiel: 500 €

Schritt C: Vorsorge & Puffer

Als Freelancer zahlst du Krankenkasse und Altersvorsorge komplett selbst. Rechne hierfür ca. 20-30 % deines Umsatzes ein. Zudem brauchst du einen Puffer für Steuern (Einkommensteuer/Gewerbesteuer).

3. Die realen „fakturierbaren" Stunden

Ein Jahr hat 365 Tage, aber du kannst nicht 365 Tage abrechnen.

AbzugTage
Wochenenden & Feiertage-115 Tage
Urlaub-25 bis 30 Tage
Krankheitspuffer-10 bis 15 Tage
Theoretische Arbeitstageca. 210 Tage

Aber Achtung: Ca. 30-40 % deiner Zeit verbringst du mit Akquise, Buchhaltung, Administration und Weiterbildung - Zeit, die du nicht abrechnen kannst.

Ergebnis: Von den theoretischen 2.000 Arbeitsstunden pro Jahr bleiben oft nur ca. 1.000 bis 1.200 Stunden übrig, die du tatsächlich Kunden in Rechnung stellen kannst.

4. Die Beispielrechnung

PositionBetrag
Gewünschtes Netto-Einkommen (inkl. Vorsorge)5.000 € / Monat = 60.000 € / Jahr
Geschäftskosten6.000 € / Jahr
Gesamtbedarf (Umsatzziel)66.000 € / Jahr
Fakturierbare Stunden1.100 Std. / Jahr

Rechnung: 66.000 € ÷ 1.100 Std. = 60 € / Stunde

Wichtig: Das ist dein absolutes Minimum (Break-Even), um deine Kosten zu decken! Für Gewinn, Wachstum und Rücklagen musst du höher ansetzen.

5. Marktwert vs. Kostenrechnung

Deine Kosten sind die Untergrenze, der Marktwert ist die Obergrenze.

Spezialisierung zahlt sich aus

Ein „Webdesigner" verdient weniger als ein „Experte für High-Conversion-Landingpages im Pharma-Bereich".

PositionierungStundensatz
Generalist50-70 €
Spezialist80-120 €
Nischen-Experte120-200+ €

Value-Based Pricing

Wenn deine Arbeit dem Kunden 100.000 € Mehrumsatz bringt, sind 100 € Stundensatz fast schon zu wenig. Denke in Ergebnissen, nicht in Stunden.

6. Profi-Tipp: Transparenz schafft Vertrauen

Nichts wirkt unprofessioneller als ein „herumgestotterter" Preis. Wenn du deine Kalkulation kennst, kannst du sie selbstbewusst vertreten.

Nutze Tools wie Clever Invoice, um deine Stunden exakt zu tracken. Wenn du am Ende des Monats genau belegen kannst, welche Aufgabe wie viel Zeit gekostet hat, werden Diskussionen über den Stundensatz zur Seltenheit.

Nutze unseren kostenlosen Stundensatz-Rechner, um deinen individuellen Stundensatz zu berechnen!

Fazit: Dein Preis ist dein Wert

Ein zu niedriger Stundensatz schadet nicht nur dir, sondern dem gesamten Markt. Kalkuliere fair, kalkuliere profitabel und denk daran: Kunden bezahlen für Ergebnisse, nicht nur für deine Zeit.

Willst du wissen, wie viel du diesen Monat bereits verdient hast? Mit Clever Invoice trackst du deine Stunden und erstellst professionelle Rechnungen - alles in einem Tool. Jetzt kostenlos testen.

Häufige Fragen

Sollte ich meinen Stundensatz auf der Website nennen?

Das ist Geschmackssache. Einige Freelancer nennen einen „ab"-Preis, um unpassende Anfragen zu filtern. Andere verhandeln individuell, um Spielraum zu haben. Wichtig ist Konsistenz in deiner Kommunikation.

Wie reagiere ich, wenn Kunden meinen Preis zu hoch finden?

Erkläre deinen Wert statt den Preis zu rechtfertigen. Zeige Referenzen, Case Studies und den konkreten Nutzen deiner Arbeit. Rabatte sollten die Ausnahme sein - sonst signalisierst du, dass dein Preis verhandelbar ist.

Kann ich verschiedene Stundensätze haben?

Ja, viele Freelancer haben unterschiedliche Sätze für verschiedene Leistungen oder Kundentypen. Ein Konzern kann mehr zahlen als ein Startup. Wichtig ist nur, dass du nie unter dein kalkuliertes Minimum gehst.

Wann sollte ich meinen Stundensatz erhöhen?

Spätestens jährlich um 5-10 %, um Inflation auszugleichen. Sofort, wenn du mehr Anfragen hast als du bewältigen kannst oder Kunden sofort ohne Verhandlung akzeptieren.

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